1.Übung zur Gewaltfreien Kommunikation von Anja Palitza&Olaf Hardtke

Konkrete Bitten stellen - statt Unterlassungen zu fordern

 

Thema: Konkrete Bitten stellen, statt Unterlassungen fordern
 
Zitat: „Je klarer wir wissen, was wir vom anderen bekommen möchten, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich unsere Bedürfnisse erfüllen werden.“ (Marshall B. Rosenberg)
 
Beispiel: Susi liebt es, Pfannkuchen (Anmerkung Anja: In Thüringen Eierkuchen) mit einer schwungvollen Armbewegung durch Hochwerfen in der Pfanne zu wenden. Max findet das seit Jahren blöd, denn oft spritzt das Fett dabei. Diese Sätze hört Susi seit Jahren immer wieder ohne eine andere Pfannkuchenwendemethode anzuwenden: „Könntest Du bitte aufhören damit.“ … „Lass das doch endlich sein.“ … „Du sollst das nicht machen.“ … „Ich habe es Dir schon so oft gesagt, dass Du das lassen sollst.“ … „Wieso machst Du das immer?“
 
Information: Wenn Menschen bestimmte Dinge immer wieder tun bedeutet das, dass diese Strategien in ganz wunderbarer Weise ihre Bedürfnisse erfüllen. Manchmal jedoch nur die eigenen Bedürfnisse und nicht die der anderen beteiligten Personen. Werden Bedürfnisse anderer beteiligter Menschen nicht berücksichtigt, beginnen diese häufig, den Menschen, der gerade seine Lieblingsstrategie anwendet, um Unterlassung zu bitten. Oft tun sie dies wiederholt und mit steigendem Energieeinsatz – ohne anzuerkennen, dass ihr Gegenüber sich Bedürfnisse erfüllt und zurzeit noch keine Ersatzstrategie kennt, die die Bedürfnisse beider befriedigend erfüllen würde.
 
Menschen versuchen also beständig, für die Erfüllung ihrer Bedürfnisse zu sorgen. Sie wären in vielen Fällen auch bereit die Bedürfnisse anderer Menschen zu berücksichtigen, wenn man ihnen eine passende, für beide dienliche Ersatzstrategie vorschlagen würde – statt immer wieder um Unterlassung zu bitten. Hilfreich ist es, wenn sie Botschaften bekommen, bei denen sie genau wissen, was sie konkret tun könnten.
 
Zum „Sofort-Üben“: Wie könnte Max Bitte lauten? (Unser Vorschlag steht am Ende der Mail.)
 
Wochenaufgabe: Wann bitten Sie um Unterlassung? Überlegen Sie einmal im ersten Schritt, was könnte der andere konkret jetzt anderes tun. Beachten Sie dabei, die eigenen Bedürfnisse und die des anderen im Blick zu halten. Formulieren Sie es gedanklich positiv. Nutzen Sie unser Beispiel am Ende des Coachingbriefes.
Unser Vorschlag:
Vorausgesetzt die Hauptbedürfnisse von Susi, sind der Spaß beim Wenden und die Freude am akrobatischen Gelingen und bei Max das Wohlfühlen und die Leichtigkeit, die sich durch den Erhalt von Sauberkeit und Ordnung einstellt, dann könnte eine mögliche Bitte sein:
 
„Wärest Du bereit, nach dem Kochen auch die Fettspritzer an den Wandfliesen und dem Fußboden zu beseitigen?“
 
Wenn alle Bedürfnisse auf dem Tisch und von beiden anerkannt sind, dann finden sich schnell Lösungen, die für beide passen. Ein Vorgespräch darüber ist in vielen Fällen Voraussetzung und kann durch eine einmalige positive Bitte nicht kompensiert werden.
 
Bitte achten Sie einmal darauf: Schließen Sie jede Aussage mit einer positiven, konkret formulierten Bitte im „Hier und Jetzt“ ab.