8. Übung (Verantwortungsübernahme )


Thema: Gefühle und die Schuldfrage
 
Zitat: „Wir sollten uns auch für das verantwortlich fühlen, was wir denken und empfinden.“ (Johann Friedrich Herbart)
 
Beispiel: Zwei Mitarbeiter stehen sich am Kaffeeautomaten gegenüber. Thomas sagt zu Paul: „Du hast mich echt enttäuscht. Wegen Dir musste ich mir vom Chef eine Standpauke anhören. Dass ich deswegen sauer bin, ist Dir hoffentlich klar. Wie Du das wieder gut machst, kannst Du Dir selber überlegen.“ Nach diesem Satz dreht sich Thomas um und geht in sein Büro zurück.
 
Information: Nach dem Modell der Gewaltfreien Kommunikation werden Gefühle von Situationen, den Handlungen der Menschen und unseren Erwartungen dazu ausgelöst. (Achtung: Ausgelöst – nicht verursacht.) Gerade die Erwartungen, die wir an das Verhalten anderer Menschen stellen, sind eng mit einem Bedürfnis oder einem Wert verbunden. Stellen sich bestimmte Erwartungen nicht ein, dann zeigt das Gefühl an, dass sich Bedürfnisse nicht erfüllt haben. Mit dieser Hilfestellung kann sich der Mensch nun auf den Weg machen und seine Erwartungen mit denen der anderen abgleichen oder für sich selbst nach einer Strategie suchen, um für sich zu sorgen. Das ist ein Grund für Freude und Dankbarkeit, oder? Doch bei dem schmerzhaften Gefühl von Enttäuschung wird die Ursache für das Gefühl eher nach außen verlagert. Andere haben Schuld. Damit wird die Verantwortlichkeit für das Gefühl abgegeben. Faktisch verschenkt. Wer kümmert sich dann um das Gefühl und übernimmt die Verantwortung für die Erfüllung des Bedürfnisses?
 
Zum „Sofort-Üben“:W ie könnte Thomas sprachlich zeigen, dass er selbst die Verantwortung für sein Gefühl übernimmt? (Unser Vorschlag steht am Ende der Mail.)
 
Wochenaufgabe: Versuchen Sie in der kommenden Woche, Ihren Gefühlen mehr Aufmerksamkeit zu schenken und kurz nachzuspüren, auf welche Bedürfnisse diese Sie aufmerksam machen wollen. Beenden Sie Ihre Überlegungen, indem Sie eine Idee entwickeln, was Sie tun könnten, um für Ihr Bedürfnis zu sorgen.
 
Aktuelles: Nach dem erfolgreichen GfK-Tag in Erfurt bekommen wir zahlreiche Anfragen, wo man die Anwendung des Modells trainieren kann. Hier empfehlen wir eine GfK-Jahresgruppe zu besuchen. Dies ist eine Möglichkeit, an diesem Thema dranzubleiben und es über einen längeren Zeitraum intensiv zu vertiefen und zu lernen. Eine weitere Form ist das gemeinsame Lernen in Übungsgruppen. Hier ist der Zeit- und Geldaufwand wesentlich geringer. Diese lassen sich nach Postleitzahlen auf folgender Website leicht finden: http://www.gewaltfrei.de/gk802/ugruppen.php
  
 
Sie sind mit der Mailadresse info@konfliktvermittler-training.de für den Empfang dieses Coachingbriefes eingetragen.

© Copyright Anja Palitza und Olaf Hartke


Unser Vorschlag: Thomas könnte sagen: „Als ich gestern vom Chef erfahren habe, dass Du ihm von meinem geplatzten Kundentermin berichtet hast, war ich enttäuscht weil ich erwartet hatte, dass Kollegen untereinander vertraulich mit Informationen umgehen. Ich würde von Dir gern erfahren, inwieweit Dir das auch wichtig ist. Wärst Du bereit dazu, dass wir uns darüber mal austauschen?“