Aggressionen ja - aber keine Gewalt

Es gibt immer mehr Kleinkinder mit mangelnder Impulskontrolle in Kitas, die untereinander und auch dem Personal gegenüber gewalttätig auftreten.

Deswegen an dieser Stelle ein Auszug aus meinem letzten workshop (buchbar über das IfW Neubrandenburg) um etwas Aufhellung zu bringen, in die schnell in einem Atemzug genannten Begriffe wie Aggression und Gewalt.

Als Quelle dient mir Haug-Schnabel, „Aggressionen unter Kindern“.

Unkontrollierte Aggressionen können zerstörerisch und gefährlich sein, doch ist an der richtigen Stelle mit angemessenen Mitteln und passender Dosierung ein aggressives Auftreten wichtig.

Wann begeben sich Kinder vorsätzlich in eine aggressive Auseinandersetzung?

Um zu gewinnen

sei es der begehrte Gegenstand sei es, dass Recht ungestört weiter zu spielen sei es, dass sie mehr Einfluss und Anerkennung erhalten sei es, dass sie Aufmerksamkeit bei Kindern und Erziehern erzielen, sei es, dass sie Zuwendung erhalten sei es, dass sie ein verlorenes Gesicht zurückgewinnen.

Überlegen Sie was ist heute in der Kindheit anders als früher!

Einziges Kind auf das sich alle Erwartungen und Ängste konzentrieren.

Es fehlen die Generationsübergreifenden Erfahrungen, gemeinsames Aufwachsen von Kindern

Der Erziehungsstil von Eltern und Pädagogen hat sich verändert

Statt Gehorsam – wird heute verhandelt

Teils sind klare Regeln und Grenzen nicht mehr vorgegeben, was es wiederum den Pädagogen schwieriger macht!

Es sind besonders die Eltern verunsichert und überfordert: die es unter heutigen Anforderungen selbst nicht schaffen, erwachsen zu werden, die nicht Erziehungsautorität entwickeln die zu keiner Entscheidung und Strukturgebung fähig sind. 

Wenn der Begriff Aggression auf „agredere“ zurückzuführen ist und , herantreten, sich nähern bedeutet, können folgende Gesichtspunkte besser verstanden werden;

Sozialkompetenz braucht ein gewisses Maß an Aggressionen.

Probleme lösen gehören zur Selbststeuerung,

einen Moment der Instabilität aushalten

Frustrationen bewältigen in Notfällen

Unterstützung holen

Stress verarbeiten können

alles das erhöht die Selbstsicherheit des Kindes wirkt sich auf die Konfliktfähigkeit aus

ergibt für den Menschen einen Schutzfaktor

Da der Kindergarten kein konfliktfreier Ort ist, kann schon das Kleinkind lernen, dass Konflikte und ihre Bewältigung zum sozialen Miteinander gehören und nach einiger Zeit und mit Hilfe vermittelnder Personen Gemeinsamkeiten und gute Gefühle wieder möglich sind.

Eine seltsame Beobachtung führt die Autorin Haug-Schnabel an, die jeder, der mit kleinen Kindern arbeitet, bestätigen kann. Das Zaubermittel heißt in Konflikten bei Kindern – Kompromisse finden. Dass Nachgeben und Verzichten nicht Demütigungen sein müssen aber auch, dass man mittels starkem Auftreten, siegen kann, die eigene Meinung bestätigt wird und das alles aber nichts mit Gewalt zu tun hat!

 These:

Kindliche Aggressionen sollen nicht verhindert werden, doch kann man Kinder früh im Umgang mit auftretenden Aggressionen kompetent machen um Gewalt zu vermeiden. Gewaltfreie Strategien für Kinder sind:

 Kompromiss, der für Kinder ganz anders aussehen kann, als für Erwachsene Sie wollen nicht an erster Stelle eine Lösung des anstehenden Konflikts,

der ist plötzlich sekundär

sondern eine Möglichkeit, um auf den Kontrahenten Einfluss auszuüben – ohne Gesichtsverlust nach dem Motto des bekannten „tit-for-tat“-Spiels

„wenn du mir das gibst, dann mach ich das“ „wenn du das akzeptierst, dann akzeptiere ich das“

Für Kinder handelt es sich um eine erfolgreiche Strategie – Erwachsene denken, wieso gibt Juli jetzt so bereitwillig das Spielzeug her? Ja......dafür darf sie an die Autokiste, wird sogar bei der Auswahl beraten und bekommt das Auto, mit dem Oliver schon den ganzen Morgen gespielt hat. Kinder sind also super im Selbstlösen – doch kommt eine physische oder psychische Verletzung dazu, brauchen sie die Hilfe von Erwachsenen.

Es gibt jedoch gewalttätige Kinder aus Problemfamilien, deren Gewalttätigkeit Auswirkungen auf eine ganze Gemeinschaft haben kann und dann für die anderen Kinder zum Modellcharakter wird!

Stellen Sie sich folgendes vor:

Zwei Kinder sind in einen Kampf verwickelt, eines hebt den Arm um zuzuschlagen, das andere versucht dem Schlag auszuweichen, wie könnte die Vorgeschichte ausgesehen haben 

                                                                                                 Aggression

1. Vielleicht soll ihm ein Spielzeug weggenommen werden - zur Verteidigung

2. Ein Kind wird in die Ecke gedrängt und gerät in Panik    - in auswegloser Situation

3. Ein Kind droht mit dem Schlag, um einzuschüchtern      - zur sozialen Exploration

4. zwei Gruppen wollen den Boss ermitteln                         - um den Rang zu ordnen

5. Das Kind kam den ganzen Morgen nicht zum schaukeln - aus Frustration

6. Es hat bei einem anderen Kind A als erfolgreich gesehen - aus Nachahmung

7. Gruppe will jemand beim Spielen nicht dabei haben         - als Gruppenaggression

8. in den Gesichtern steht Lachen, spielerischer Kampf        - spielerische Aggression

Alle Kinder kämpfen dabei mit der Vorstellung, dass sie gewinnen, das Verlieren haben sie ausgeblendet.

Wer gewinnt?

Nicht immer das Größere und Stärkere, sondern das Kind, welches in hoher Wut meint, vollkommen im Recht zu sein und deswegen einen Überraschungsangriff oder Vergeltungsschlag ausführt, oder in der Hierarchie sehr weit oben steht oder bei Gleichgestellten in der Gruppenhierarchie aufsteigen will, es geht meist um das Ansehen.

Es gibt dabei ein Sieger-Gesicht und ein Verlierer-Gesicht:

Das Sieger-Gesicht zeigt eindeutiges Drohen, Kinn und Augenbrauen sind angehoben, der Blick direkt auf den Kontrahenten gerichtet, der Oberkörper ist gestreckt, der Hals aufrech.

t Das Verlierer-Gesicht zeigt eine leicht geduckte Haltung, der Hals ist nach vorne gebeugt, der Kopf zwischen die Schultern gezogen, der Blickkontakt wird gemieden. Die Augen sind nieder geschlagen.

Wie gehen Sie als Erzieher nun mit der beobachteten Situation von Aggression um:

Kinder sollten spüren, welches Verhalten erwartet und welches nicht akzeptiert wird,

dass es „im Blick bleibt“,

dass es in seiner Selbständigkeit unterstützt wird,

dass es in der partnerschaftlichen Kommunikation unterstützt wird

dass Erwachsene ihre eigenen Gefühle und die der Kinder benennen

dass Wärme signalisiert wird , aber auch gefordert und Grenzen gesetzt werden.

Aggressive Aktionen erfordern immer eine klare Reaktion der Erwachsenen, eine Einhalt gebietende Antwort und ein Aufzeigen, dass Aggressionen nicht erfolgreich sind.

Stellen Sie sich vor, wie das für einen Angreifer ist, wenn Sie dem anderen Kind laut und deutlich sagen, dass es richtig war, dass es Widerstand geleistet hat oder auf die Ungerechtigkeit hinweisen.

Da Empathie nicht angeboren ist, muss sie erlernt werden. Am besten wäre, wenn die Hauptpersonen ihre Gefühle ausdrücken und sensibel auf kindliche Gefühle reagieren.

Wer seine Emotionen nicht unterdrücken muss, hat es leichter, da positive Emotionen bekräftigt werden und beim Umgang mit negativen Gefühlen geholfen wird. Wenn Erwachsene nicht auf Gefühle des Kindes reagieren und Rückmeldungen geben, hinterlässt es Hilflosigkeit. Um empathisch reagieren zu können, muss man Empathie selbst erlebt haben. Meist tritt sie zwischen 18 und 24 Monaten auf. Sobald Kinder sich selbst im Spiegel wahrnehmen, können sie in Notlagen Hilfsangebote machen. Bei unsicher gebundenen Kindern weiß man nicht, ist es Unvermögen oder eine Abwehr des Empathievermögens. Was bedeuten würde, dass sie die Gefühle nicht an sich ran lassen.

Vorbilder

Kinder beobachten sehr genau, wie Erwachsene untereinander die Konflikte lösen und nehmen Maß an demjenigen, der erfolgreich aus der Auseinandersetzung hervorgeht. Aggression und gewalttätiges Durchsetzen wird von ihnen als lohnend empfunden. Wenn man wenn diese Erfahrung mehrmals gemacht hat, ohne anderslautende Erfahrungen und nicht erlebt hat, dass auch nicht aggressives Handeln zum Erfolg führen kann, ist bei diesen Kindern in Konflikten der aggressive Weg immer der nahe liegende.

Einen hohen Aussagewert für auffallende Aggressivität im Grundschuldalter ist es, erlebt zu haben, dass die eigene Mutter unansprechbar ja unerreichbar für die emotionalen Bedürfnisse des Kindes ist. Es sind aber auch die Kinder gefährdet, die früh gewalttätige Reaktionen zeigen, und dann von den Bezugspersonen ignoriert oder diese Reaktion sogar gebilligt werden. Es wurde ihnen nicht beigebracht und vorgelebt, wie man akzeptable Konflikte bewältigen kann. Dann gibt es natürlich auch noch Gewaltbereitschaft in der Familie, oder ein aggressiver Erziehungsstil, wie Demütigungen und körperliche Misshandlungen. Eltern die hart und vor allem unvorhersehbar bestrafen erhöhen die Wahrscheinlichkeit dass die heutigen Gewaltopfer zu zukünftigen Gewalttätern werden. Aggressionsverstärkend sind Kinder, die aus Familien stammen, in denen die Befriedigung der kindlichen Bedürfnisse nicht im Vordergrund der elterlichen Interessen steht und deren Äußerung vehement unterdrückt werden.

Aggressionen brauchen Raum – wenn es ein Mensch nie erlebt, bricht es ungehemmt heraus, wie eine kaum zu bremsende Durchbruchsreaktion – Kinder die Arger und Wut unterdrücken müssen, da es als böse gilt, lernen ..ich kann nichts verändern, ich bin machtlos.

Es kommt in einer Ecke zu Schreierei und körperlichen Attacken

Ihr Notfallprogramm

Frage – „braucht Ihr Beiden Hilfe, oder kommt Ihr alleine zurecht?“, signalisiert, ich habe euch im Auge und es gibt Regeln. Man könnte, bevor es eskaliert und Gewalt angewandt wird, hinüber begleiten zur verbalen Auseinandersetzung

"Micha was willst du dem Franz denn mit deinen Fäusten sagen, er versteht dich nicht. Sag es ihm mit Worten, ich bleibe bei Euch!“

"Samuel ich sehe du kochst vor Wut, sag ihr was du willst, ich sorge dafür, dass sie zuhört!“

damit wird die Wut angesprochen, die Berechtigung des Einschreitens anerkannt, nur nicht die Wahl der Mittel. Das Kind wird ermutigt, mit sozial verträglichen Mitteln sein Anliegen zu verfolgen, und erhält Rückendeckung.

Es kommt zum Kampf, wie kann man schnell Kontrolle gewinnen? Durch die 3-Stufen-Regel: Den Kampf stoppen

Die Kinder trennen

Ansprechen...die Kinder mit Namen

und dann ihre Wut, Angst und Enttäuschung

dazwischen gehen, mit den Betroffenen ruhig sprechen, sie berühren oder halten. Das Ansprechen der Namen ist wichtig, damit es erkennt, dass es genau gemeint ist. Eine ruhige Sprechweise zeigt, dass man die Sache im Griff hat, einen Ausweg kennt, im Gegensatz zu den aufgewühlten Kindern. Die Kampfhähne aus der unmittelbaren Nähe der anderen entfernen. Manche Kinder brauchen jetzt Halt, also körperliche Nähe, andere ertragen keine Berührung. Manche Kinder wollen eine Weile für sich sein, unter Aufsicht in einem vertrauten Raum toben, Wenn Sie als Erzieherin angegriffen werden, müssen Sie als Betroffene trotzdem souverän reagieren. Ihre Erstreaktion entscheidet, dass nicht die anderen Kinder anfangen zu weinen, keine beleidigte Reaktion zeigen, die eigene Betroffenheit wird hinterher besprochen.

Laut, deutlich und überzeugend Einhalt gebieten und schnell klare Verhältnisse schaffen Aus allem muss ersichtlich werden „Das geht nicht“ - alle müssen Ihre starke Hand spüren Im Zweiergespräch hinterher wenn Ruhe eingekehrt ist, mit dem wütenden Kind klären „was war so schlimm?“ „was konntest du nicht sagen?“ „was haben wir nicht verstanden?“

Hier hilft: es gibt Regeln, die gelten jeden Tag

die Reaktionen der Erwachsenen sind vorhersehbar

das Kind muss keine Angst vor unklaren Situationen haben

es hat zuhause und in der Kita feste Strukturen, die Sicherheit geben

Der Handlungsrahmen darf verschoben werden, nicht zu groß und nicht zu eng sein.

Wann reagieren Kinder sozial, wenn sie sich sonst nicht an Regeln halten wollen? Wenn ihre 'Aktivität gefördert wird, wenn es ins Spiel gerufen und von den anderen akzeptiert wird. Wenn es mit einem oder zwei anderen einen Auftrag erfüllt, die Erzieherin mit ihm alleine spielt oder von einem anderen angesprochen oder sogar um Rat gefragt wird Das Kind fühlt sich ernst genommen, man traut ihm etwas Neues zu. Ich kann das, und mit mir zusammen macht die Aktion Spaß. Ich darf mitmachen, wenn ich mich an die Regeln halte.

Wie kann ich das Kind stoppen? Jeder kennt die Kettenreaktion – man hat schon mehrmals gemahnt, ohne Erfolg. War das Gesagte nicht eindeutig und stoppend genug? Denn das Kind provoziert weiter.

Folgende Lösungen:

1. Mit Ich-Botschaften das gewünschte Verhalten beschreiben, was man erreichen will mit einer gewissen Entscheidungsfreiheit „Sebastian, ich möchte, dass du das Lego noch weg räumst. Willst du vorher frühstücken und es vor dem Schwimmkurs erledigen? Was ist dir lieber?“ Wählen und selbst eine Entscheidung treffen führt bei einem Kind hin zum Kooperationsverhalten.

Das Kind denkt – es liegt in meiner Entscheidungsfreiheit, ob ich sozialkompetent bin.

2. Das gestartete Fehlverhalten schnell und eindeutig beenden. Mit klaren Worten, was man vom Kind will und was man gewiss nicht möchte, ohne zu drohen, sondern mit den Konsequenzen verbunden, die die Kinder selbst entschieden haben wie zusätzliche Aufgaben übernehmen, Privilegien aberkennen, bis das anerkennungswürdige Verhalten wieder gezeigt wird.

Helfen können auch kurze Aktivitätsauszeiten, um das Fehlverhalten zu unterbrechen Kurzfristig von der Aktivität und der Interaktion mit anderen ausgeschlossen zu werden (Auszeit oder Time-out) ist eine gewaltfreie Aktion, die nach einem Fehlverhalten folgen kann. Es darf nicht als Strafe gelten, sondern als Hilfe, um runter zu kommen.

Aber nur kurz: Kindergartenalter 1 bis 3 Minuten Sechsjährige max. 5 Minuten

Dabei sitzt es außerhalb des Sozialverbandes auf einem Stuhl oder in einem anderen Raum um kann nicht an der spannenden Sache teilnehmen. Konsequenzen machen nur Sinn, wenn sie vom Kind verstanden werden. Dazu gehört die kurze Spielauszeit (ohne Beziehungsabbruch) mit vorheriger Warnung, eine extra Aufgabe oder die Einschränkung bestimmter Begünstigungen. Ein Kind sollte aber nie Beschämung oder Erniedrigung erleiden.

 Das Kind soll abkühlen,lernen, dass die Aktivität unterbrochen wird, aber nicht die Beziehung. Geht es protestlos zum Time-out-Platz wird es dafür gelobt. Sollte es sich weigern, in aller Ruhe eine Minute Verlängerung ankündigen, ohne zu erklären, zu argumentieren und zu schimpfen, damit das Negativverhalten nicht zu viel Beachtung erhält. Setzen Sie ein Nein oder Stopp immer so, dass das Kind weiterhin wertgeschätzt wird. Schon Einjährige versuchen das Nein zu ignorieren, also nur in Situationen einsetzen, die unvermeidbar sind. Zehn Monate alte Kinder reagieren auf Ge- und Verbote. Sie willigen ein, sie müssen nicht folgen. (Katrin Grossmann)

Das Kind schätzt ab, „wie weit kann ich gehen, bis jemand Stopp sagt, Würde ich vorher aufhören, würde ich Verhaltensfreiräume verschenken. Das Stopp zu ignorieren, also zu spät aufzuhören, wäre auch nicht gut, weil dann keine Spielpartner für Gemeinsam zur Verfügung stehen. Eine Erfahrung, die das soziale Miteinander mit verschiedenen Bedürfnissen möglich machen. Denken Sie sich das Nein als hochpotentes Medikament und setzen Sie es auch so ein:

Zu herb – macht es Angst und schafft Distanz ohne dass man von der Handlung Abstand nimmt.

Zu lasch – ohne mittransportierte Gefühle und Mimik bewirkt es nichts.

Zu häufig – ist ein inflationärer Umgang und entwertet es.

Nach einer Auseinandersetzung, also wenn der Höhepunkt überschritten ist, wenn beide darüber schimpfen oder sprechen können, kann der Schlichter trösten sowie  nachfragen nach Details aber nie die Warum-Frage stellen, sondern alle anderen Ws „Wie ging das mit dem Auto los?“ „Wer hat denn zuerst mit dem Auto gespielt?“ „Was hat dich so geärgert, dass du Lisa an den Haaren gezogen hast?“ Wenn jedoch nach der Auseinandersetzung kein Wort, kein Blick ausgetauscht werden, Aggressionen jedoch spürbar im Raum stehen, sollte man als Schlichter auf das Unausgesprochene reagieren. Doch warten Sie ab, bis man wieder miteinander reden kann, damit das angreifende Kind auf alle Klärungsschritte ansprechbar ist. Beachten Sie, das Kind kann noch nicht nach außen und auch nicht nach innen einen Dialog führen.

Wie häufig können Sie selbst in großer Wut nicht sagen, was Sie gerade so wütend gemacht hat. Deswegen braucht erst recht das Kind Ihre Unterstützung. Sehen Sie erste Anzeichen von Beruhigung, erst dann die Kommunikation aufnehmen. Schlichtungsgespräche helfen hierbei mit den Anfangssätzen „was ist passiert? Was ist hier schief gelaufen?“ „was hat dich so ärgerlich gemacht?“ „hast du dir weh getan oder warst du wegen etwas sehr enttäuscht?“ Vielleicht kann das Kind nicht sofort antworten, doch mit Sicherheit häufiger, wenn es nicht um das Bloßstellen des Schuldigen geht, sondern um eine gemeinsame Lösung.

Es gab also wirklich einen Grund wütend, ärgerlich und enttäuscht zu sein, sonst würde ja nicht danach gefragt werden. Dass man deswegen nicht gleich losschlagen und treten musste, steht auf einem anderen Blatt, was danach geklärt werden kann. Jedoch erst einmal die Situation und die Gefühle ernst nehmen. Der Angreifer versteht somit, er ist nicht nur das „böse Kind“ ist, sondern erkennt, dass man seinen massive Problemen auf die Spur kommen will.

Auch das Opfer kann mit den gleichen Fragen der Streitschlichtung überlegen, ob es nicht vielleicht provoziert hat. Die Manöverkritik könnte so aussehen:

A „Wie hätte Paul beim Legobauen mitmachen können, ohne dass du diese Wut bekommen hättest?“

B „was glaubst du, weshalb ist Lutz auf dich losgegangen?“

nicht die Schuldfrage wird geklärt sondern wie konnte eine derartige Situation entstehen und wie kann man sie in Zukunft verhindern.

„Meinst du nicht auch, euer Problem hätte man auch anders, ohne Schlagen und Beißen lösen können?“

In einem ruhigen Gespräch danach kann man noch ganz andere Fragen stellen, die mehr auf die Hintergründe gerichtet sind:

„was macht dich eigentlich immer so wütend?“ „ welche Situationen machen dir Angst, weil du weißt, dass jetzt ganz schnell deine Wut kommt?“

Angst hängt stark mit Aggression zusammen. Angst in auswegloser Situationen, vor Kränkung und Demütigung, wenn man sein Gesicht verliert (Scham aktiviert Angst), ausgeschlossen zu werden  vor Trennung und Verlust, vor Nichtzuwendung, fehlender Anerkennung, vor Verlust der Hierarchie (Gruppe aufhetzen),  um meine Gruppe, den Gruppenzusammenhalt zu verlieren, in der richtigen Gruppe zu sein