Ein Wissen in der Blase

An alle Eltern und Politiker – wollen wir wirklich ein Wissen in der Blase?

Wussten Sie, dass nur noch 20 Prozent der  Lehramtsstudenten mehrmals pro Woche eine gedruckte Zeitung lesen und viel schlimmer ? – 40 Prozent tun das so gut wie nie.

Wohlgemerkt diese zukünftige Lehrerschaft studiert Deutsch, Ethik, Geschichte und Politik Dies hat eine Studie der Technischen Universität Dresden ergeben. Es waren Kommunikationswissenschaftler der Uni, die wissen wollten, wie sich angehende Lehrer informieren und somit über eine demokratische Berichterstattung verfügen.

Wir, die noch Zeitung lesen, werden doch von Jugendlichen inzwischen wie Dinosaurier belächelt.

Doch dass Lehrer, die sich ebenfalls  nicht ausgewogen informieren, die eigentlich zukünftigen kritischen Bürger von morgen in demokratischen Denkweisen unterrichten wollen ,macht mir Angst. Mit welchem Fundament, also wo wollen sie ihre ausgewogenen, unterschiedlichen Sichtweisen und Meinungen beziehen? Jugendliche unterweisen, fake-news von gut recherchierten Berichten mit Quellennachweisen zu unterscheiden?

Wer – kann dies vorleben und am besten vermitteln – wenn nicht die Lehrer? Die Studie hat u.a. auch ergeben, dass 40 Prozent glauben, dass für einen Beitrag das Bundesministerium eine offizielle Genehmigung erteilen müsste. Dabei sind wir doch inzwischen alle Journalisten. Jeder kann inzwischen einen Beitrag ins Netz stellen, jeder 'Beitrag z.B. auf facebook kann gelikt werden und entsprechend eine schnelle und breite Öffentlichkeit erreichen. Auch diese Beiträge werden teilweise von den Journalisten der Zeitungen aufgegriffen, da diese damit dem Zeitgeist entsprechen wollen.

Doch jeder kritische Bürger sollte sich fragen, welches sind die Quellen.

Meine Quelle ist die „Zeit“ Nr. 10, vom 1.3.18, Seite 35 von Martin Spiekwak unter der Überschrift „Nachhilfe in Skepsis“.

Die Realität im Netz sieht doch so aus: Würde ich zehn verschiedene Rechner aufstellen und in jedem Rechner das Wort „Flüchtlinge“ oder „Armut in Deutschland“ eingeben, würde jeder Rechner durch das System der Algorithmen ganz oben nur die links zu Seiten aufzeigen, die dem jeweiligen Gusto des Laptopinhabers entsprechen, also, solche Inhalte wiedergeben, die jeder hauptsächlich aufruft. Jeder wird inzwischen in dem bestärkt,  was er sowieso denkt und glaubt........ Ein Wissen in der Blase.

Als mündiger Bürger weiß ich das. Doch was ist mit unseren Jugendlichen? Wie sieht es aus mit der Vermittlung von Regierung und Opposition, Verfassungsrechten,  wieviel unterschiedliche Meinungen in einem Artikel erscheinen sollten, was steckt hinter der Idee eines Verfassungsgerichts. Meine Forderung an die Politik und damit gehe ich konform mit dem Autoren M. Spiewak

Unterricht in "kompetenter Information" um (nicht nur  im Internet) Wahrheit von Lüge zu unterscheiden,

sonst haben wir bald Verhältnisse wie in Russland, Ungarn, Polen, Türkei.  Wie Kompetenz in der digitalen Bildung aussehen und gestaltet werden könnte, erkläre ich im nächsten Beitrag unter „Eigene praktische Erfahrungen, wie Jugendliche nicht nur zu kritischen Bürger, sondern selbst zu kritischen Berichterstattern gemacht werden können“

Ursula Heldt (ehemals freie Journalistin)