Motto: "Reisse dem Anderen niemals die Maske vom Gesicht" (Laotse) Wie wichtig es ist, dem Anderen auch im Konfliktgespräch die Würde zu lassen

(coachingbrief zur Gewaltfreien Kommunikation von Anja Palitza und Oliver Hartke)

Mit dem Modell der Gewaltfreien Kommunikation trainieren wir in Seminaren und Workshops vor allem eine bestimmte „Haltung“ gegenüber anderen Menschen. Diese Fokussierung auf Gefühle und Bedürfnisse des Menschen erfasst mehr seine Befindlichkeit, als das sie die Frage nach „richtigem und falschem Verhalten“ beantwortet.

Nach Rosenberg dient diese Haltung gegenüber anderen eher lebensdienlichen Prozessen im Miteinander, als die Suche nach der Antwort auf die Frage „Wer hat Recht?“. Die „GFK-Haltung“ erleichtert somit eine persönliche Lebensführung, die sich an den eigenen Werten ausrichtet und kann auch als eine Art „innerer Wegweisung“ und damit zur Orientierung dienen.

Es ist aus unserer Sicht eine wertschätzende und würdevolle Haltung zu allererst uns selbst gegenüber, weil wir davon ausgehen, dass wir – so wie wir sind – völlig in Ordnung sind. Um zurückzukommen auf das eingangs erwähnte Teilnehmer-Statement: Wenn der Mensch Verantwortung für seine Bedürfnisse übernimmt, in dem er sie wahrnimmt, anerkennt und beginnt, für sie Sorge zu tragen, dann wird der Mensch auch unter schwierigen und herausfordernden Umständen zunehmend mehr zum Gestalter seines Lebens. Selbst dann, wenn die Umstände gerade wenig Veränderungsspielraum bieten und sich nicht alle Bedürfnisse in dem Moment erfüllen lassen. Er bleibt Gestalter seines Lebens und nimmt sich weniger als Opfer der Umstände wahr.

Und wir gehen noch einen Schritt weiter: Würdevolles Verhalten schließt für uns gleichermaßen mit ein, auch anderen Menschen mit dieser Haltung zu begegnen. Nicht nur ich bin in Ordnung, sondern auch mein Gegenüber ist als Mensch genauso in Ordnung wie ich. Mit anderen Worten, wenn es uns selbst gelingt, die eigenen Bedürfnisse und die der Anderen zu sehen und anzuerkennen, dann gelingt es uns im Miteinander, die Menschlichkeit zu wahren und in dem Moment ein würdevolles Leben zu leben.

Wochenaufgabe: Prüfen Sie – insbesondere wenn Sie unter dem Einfluss von Emotionen stehen – ob Ihre gegenwärtige Haltung sinnvoll ist, um eine würdevolle Entscheidung zu treffen oder mit anderen würdevoll in Interaktion zu gehen.