wieso fallen uns Veränderungen so schwer? coachingbrief von Anja Palitza&Olaf Hartke

(Die u.a. Studie ist auch im Hinblick auf sozial auffällige Kinder und Jugendliche wichtig. Um Verhaltensänderungen herbeizuführen, wenden Sie die step by step - Methode an und verlangen nicht zuviel auf einmal. Anmerkung von Ursula Heldt)

 

Zitat: „Die Fesseln der Gewohnheit sind meist so fein, dass man sie gar nicht spürt. Doch wenn man sie dann spürt, sind sie schon so stark, dass sie sich nicht mehr leicht zerreißen lassen.“ (Samuel Johnson)

Information: Zwei Erklärungen, weshalb Veränderungen manchmal nicht leicht fallen: Am GFK-Tag in Erfurt sprach Gerald Hüther in seinem Eröffnungsvortrag unter anderem über eine Eigenschaft unseres Gehirns, die Veränderung zur Anstrengung macht. Unser entwicklungsgeschichtlich alter Gehirnteil (Stammhirn, Reptilienhirn) ist ständig bemüht, uns so wenig Energie wie möglich verbrauchen zu lassen. Ein hoher Energieverbrauch bedeutete für unsere Vorfahren, dass sie früher wieder zur Jagd mussten; ein niedriger Energieverbrauch bedeutete längeres Auskommen mit der vorhandenen Nahrung. Insofern versucht unser alter Gehirnteil beständig, uns mit Verhaltensweisen agieren und reagieren zu lassen, bei denen wir einen möglichst geringen Energieverbrauch haben. Das Etablieren von Gewohnheiten beispielsweise hilft, Handlungen und Handlungsstränge zu vollziehen, ohne viel darüber nachzudenken.

Wenn unser neuer Gehirnteil (Frontalhirn, Neocortex) nun das Vorhaben proklamiert, dass wir im neuen Jahr gesünder essen, mehr Sport treiben, uns fortbilden, unser Einkommen steigern und mehr Zeit mit der Familie verbringen, dann gehen im alten Gehirnteil die Warnlampen an und wir neigen dazu, die alten Gewohnheiten beizubehalten und in sie zurückzufallen. Jeder Versuch, bisherige Gewohnheiten zu verändern und Neues zu etablieren, ist also ein Unterfangen, das im alten Gehirnteil Widerstände hervorruft. Wenn Sie dieses Aufbegehren Ihrer Denkmaschine ignorieren können und trotzdem weitermachen, dann haben Sie eine gute Chance eine neue Gewohnheit zu etablieren. Eine zweite Erklärung für das Phänomen, das Veränderungen im Bereich unseres Verhaltens nicht allein durch Entscheidungen gelingen, fanden der amerikanische Psychologe Roy Baumeister und seine Kollegen, als sie zum Thema „Willenskraft“ forschten und einige interessante Versuche unternahmen.

In den Versuchen wurden den Probanden Aufgaben gestellt, die Willenskraft erfordern. Beispielsweise das Lösen von Mathematikaufgaben, bei denen die Teilnehmer nicht wussten, dass einige der Aufgaben nicht lösbar waren. Zeit stand den Teilnehmern unbegrenzt zur Verfügung und die Frage war, wie lange sie sich mit den unlösbaren Aufgaben beschäftigen würden, bevor sie das Handtuch warfen. Einem Teil der Gruppe wurden vor Beginn des Versuchs leckere Speisen vorgesetzt und sie wurden gebeten, vor Abschluss der Mathematikaufgaben nicht davon zu essen. Erst nach etwa einer halben Stunde begann für sie die Phase des Aufgabenlösens.

Die Vergleichsgruppe erhielt ausschließlich die Aufgabe, die Mathematikaufgaben zu lösen. Das Ergebnis war, dass diejenigen Teilnehmer, die bereits den Verzicht auf die Speisen durchhalten mussten, sich durchweg deutlich kürzer mit den unlösbaren Aufgaben beschäftigten. In weiteren Versuchen mit ähnlichen Settings wiesen Baumeister und sein Team nach, dass wir über eine

Art von „Willensreservoir“

verfügen, dass durch den Einsatz von Willen mehr oder weniger schnell schrumpft.

Wer häufig und intensiv seinen Willen aufbringt, hat plötzlich weniger Willenskraft zur Verfügung und gibt deutlich schneller auf. In Bezug auf Neujahrsvorsätze bedeutet das:

Je mehr Sie sich vornehmen, desto mehr Willenskraft wird benötigt und verbraucht und desto wahrscheinlicher wird es, dass der „Willens-Akku“ plötzlich leer ist und Sie Ihre Vorhaben aufgeben. Schenkt man diesen beiden Erklärungen Glauben, dann wird nochmal deutlich, dassweniger manchmal mehr ist“.

Unser Tipp: Nehmen Sie sich weniger vor und halten Sie das Wenigere aber dafür umso konsequenter durch. Lieber im Verlauf des Jahres weitere Veränderungen beginnen, als alles in den Januar packen.