Gewaltfreie Kommunikation

Marshall Rosenberg suchte in den 60iger Jahren in New York, als er selbst mit Jugendlichen arbeitete, nach einer Symbolfigur für die "gewaltfreie Kommunikation". Er fand das Symbol "Giraffe". Er wollte damit Jugendlichen demonstrieren, wie man deeskalierende Gespräche nach einem ganz bestimmten Schema führen kann. Jugendliche nehmen diese Form der Kommunikation sofort mit Begeisterung an, da sie erkennen, wie ihnen durch diese Gesprächsform die Herzen zufliegen und Probleme gar nicht erst entstehen müssen. Doch was versinnbildlichen diese beiden Symboltiere in ihrer Kommunikationsart nach Rosenberg?

  • Die Giraffe hat mitunter das größte Herz von allen Tieren;
  • einen sehr langen Hals, womit sie die Lage gut überschauen kann;
  • Kopf und Hals sind sehr weit voneinander getrennt, womit sie einen klaren Kopf behalten kann;
  • die Giraffe ist zwar nett, aber nicht zu lieb und erst recht nicht einschmeichelnd;
  • sie ist zwar einfühlsam, weiß jedoch um ihre eigenen Grenzen;
  • die Giraffe erhebt den Anspruch, "wenn es mir gut geht, dann kann ich das an andere weitergeben";
  • das heißt, sie weiß genau um ihre eigenen Bedürfnisse;
  • sie übernimmt die volle Verantwortung für sich selbst, für ihr Tun und Handeln;

Der Wolf ist für Marshall Rosenberg eine Symbolfigur, die in uns allen steckt.

In uns allen steckt "der Wolf", wenn wir in einem Verhandlungsgespräch

  • gewaltbereit sind;
  • unablässig und unaufgefordert Ratschläge geben;
  • uns immer auf die Suche nach Harmonisierung begeben;
  • den anderen Gesprächspartner immer unterbrechen, um eigene Dinge anzubringen;
  • wir über die Aussagen des anderen urteilen und sie bewerten;
  • manipulieren, z.B. mit einer Opferhaltung (mir geht es ja so schlecht, weil Du...);
  • wir die anderen für unser Wohlergehen verantwortlich machen;
  • uns oft nicht von den anderen Menschen verstanden fühlen;
  • wir unter Schuldgefühlen leiden und deswegen den anderen angreifen.

Haben Sie sich irgendwo wiederentdeckt? Im Grunde sind Wölfe Giraffen mit Sprachfehlern, denn eine Giraffe braucht in der gewaltfreien Kommunikation nicht manipulieren. Dabei wäre es so einfach, in einer klaren Art und Weise miteinander zu kommunizieren. Die Giraffensprache ist also nicht nur in der Mediation - Konfliktvermittlung sinnvoll, sondern kann uns im ganz alltäglichen Kommunizieren Tür und Tor öffnen. Sie gehen folgendermaßen vor:

"Gewaltfreie Kommunikation oder auch Giraffensprache"

  1. Beobachtung (Sachlage)
    1. was ist passiert?
    2. was wurde beobachtet?
    3. Schilderung des reinen Vorgangs?
  2. Gefühl (dazu gehören: Freude, Wut, Angst, Trauer)
    1. wie gehst es Dir/Ihnen?
    2. wie fühlst Du Dich/ wie fühlen Sie sich?
  3. Bedürfnis (Bedürnispyramide)
    1. was für ein Bedürfnis hast Du/ haben Sie?
    2. was brauchst Du/ brauchen Sie?
  4. Bitte
    1. was wünscht Du Dir/ wünschen Sie sich?
    2. worum möchtest Du bitten/ möchten Sie bitten? (Diese Bitte sollte konkret und erfüllbar sein)

(Quelle: Marshall Rosenberg, Center for Nonviolent Communication, Sherman, TX, USA 1966 sowie "Institut für Streitkultur", Berlin 1998)