Konflikt - was ist das?

Konflikte

Konflikte gibt es zwischen Menschen, Gruppen und Staaten.  Doch was genau sind Konflikte?

Jedenfalls nicht, wenn der Chef schlecht gelaunt los poltert und sich abreagiert. Der Angepflaumte wehrt sich  und danach sind beide schlecht gelaunt.  Dies wird als unechter Konflikt bezeichnet, da hier nur Spannungen abgebaut werden.  Echte Konflikte, so der Soziologe Lewis Coser, entwickeln soziale Systeme für die Zukunft. Echte Auseinandersetzungen sind also per sé nicht schlecht, sondern konstruktiv. Sie sind lebendig und bestimmen mit ihrem Tempo die Richtung von gesellschaftlichem Wandel. Die 60iger Jahre mit ihren aufgebrachten Jugendlichen werden noch heute nostalgisch verklärt dargestellt und gerne zitiert, weil viel konservativer Mief aufgewirbelt wurde und neue Freiheiten nicht nur in Deutschland mit sich brachte.

Bei echten Konflikten geht es um etwas. Streitparteien wollen etwas verändern und erreichen. Es sind Machtkämpfe in denen Beziehungen, die Gesellschaft, die Welt verändert werden soll. Dabei muss Altes sterben und dem Neuen Gedankengut Platz machen. Der Arabische Frühling, der Protest in der Ukraine gehören genauso dazu, wie Schülerstreiks oder Mahnwachen.

 

Wie fängt ein Konflikt an, auf welche Signale sollte man achten? Differenzen zwischen den Menschen sind normal, da wir alle unterschiedlich sind, unterschiedliche Werte Bedürfnisse, Ansichten und Erwartungen  haben. Doch nicht aus jeder Ungerechtigkeit entsteht ein Konflikt. So lange eine Bevölkerungsgruppe noch um das nackte Überleben kämpfen muss und nichts besitzt, wird sie nicht aufbegehren. Doch sobald sie aus diesem Überlebenskampf herauskommt und es ihnen besser geht und sie dann  erkennen, dass es Menschen gibt, die sich bereichern, dass Korruption und Unrecht  an der Tagesordnung ist, fangen Konflikte an zu schwelen und können zu einem Flächenbrand werden.  Immer wenn sich Menschen auf dem Weg in bessere Zeiten sind, wenn es endlich bergauf geht und ihre Ansprüche mehr und mehr steigen, wollen sie Störfaktoren ausschalten.  Auch wichtige Versprechen, die nicht eingehalten werden, können zu Konflikten führen.

Ein Konflikt ist schon frühzeitig erkennbar, er schleicht nicht auf leisen Sohlen. Mediatoren wissen genau, in dem Moment wenn ein Konflikt von der Sach- auf die Beziehungsebene kippt, kann der Konflikt sich ausdehnen. Wenn gesagt wird „ Du/Sie sind viel zu blöd, wenn Sie das nicht versehen“.

Wie ist die Dynamik in einem Konflikt?

Nach Friedrich Glasl, dem Politologen, Konfliktforscher und Mediator verläuft der Konflikt in neun Stufen. Erst ist ein grummelnder Ärger vorhanden, dann entsteht Streit. Der andere wird mit seiner Haltung als schlecht und böse angesehen. Die nonverbalen abwerten Handlungen nehmen zu. Ab Stufe vier , wenn Mitstreiter und Verbündete gesucht werden,  wird aus einem sprudelnden Gewässer plötzlich ein reißender Fluss, der alles mitreißen will, was sie ihm in den Weg stellt. Es werden Ultimaten gestellt, gedroht, Unterlagen verschwinden. Ab Stufe sieben ist die Katastrophe erkennbar. Dateien werden gelöscht, Gerüchte ins Internet gestellt, alles um Gegner bloß zu stellen, fertig zu machen und nieder zu strecken.

Warum reagieren Menschen so  bösartig?

Wenn Menschen spüren und ahnen, dass ein Konflikt sie in ihrer Existenz bedroht, bekommen sie Angst, das Gehirn reagiert nicht mehr rational. Uralte Zentren im Gehirn übernehmen das Kommando, (man nennt es das Reptiliengehirn). Der Neurobiologe Gerald Hüther meint, dass wir dann auf nur drei Verhaltensweisen zurückgreifen könnten, um das Überleben wie in der Steinzeit zu sichern  – Angriff, Flucht oder Totstellen. Alles wird nur noch unter dem Focus gesehen – Freund oder Feind. Jede kleine Geste kann jetzt falsch verstanden und als Bösartigkeit ausgelegt werden.  Misstrauen entsteht. Wenn ich glaube, dass der andere mir nicht gut gesonnen ist, werde ich mich feindselig verhalten und dadurch den anderen tatsächlich aggressiv machen.  

Was können jetzt Mediatoren bewirken?

Die Konfliktparteien werden wieder zum Nachdenken gebracht. Erst muss Vertrauen aufgebaut werden. Welche guten Momente gab es schon einmal, was hat da gut funktioniert? Was mochte man an diesem Menschen in früheren Zeiten. Mit diesen positiven Ressourcen wird gearbeitet um wieder die Konfliktparteien aufrichtig miteinander sprechen zu lassen. Sie werden an andere Perspektiven herangeführt, erkennen die unterschiedlichsten Sichtweisen und Interessen. Dann erst werden die Kernthemen angesprochen um Vereinbarungen auszuhandeln.