"Das geschwächte Geschlecht" (Gewalt, Aggressionshintergründe)

 

Zu Aggressionen passt gut das „Dossier“ aus der Zeit Nr. 2 vom 2.1.2014

„Das geschwächte Geschlecht“  von Elisabeth Raether und Tanja Stelzer

Hier  einige Auszüge:

Die Autorinnen listen gleich zu Beginn  männliche Dramen auf, wie:

Psychische Störungen treten bei Jungen achtmal häufiger auf als bei Mädchen und beziehen sich auf den Soziologen Walter Hollstein mit seinem Buch „Was vom Mann übrig blieb“

„Zwei Drittel der Sonder- und Förderschüler sind mönnlich. Und auf 100 Jungs, die die Schule abbrechen, kommen in Deutschland bloß 88 Mädchen. Männer stellen 95 Prozent der wegen Mordes, Mordversuchs oder Totschlags Inhaftierten. Und wenn man von Sexualdelikten absieht, sind zwei von drei Gewaltopfern ebenfalls Männer. ….“ 

Und weiter  geht’s

„Wohnungslose sind zu 75 Prozent Männer. Obdachlosigkeit ist ein Männerproblem und es wird immer größer – mit zehn Prozent Zuwachs zwischen 2010 und 2012. An den Folgen Alkoholismus sterben jährlich dreimal so viele Mäner wie Frauen. Auch zwei Drittel der wegen Alkoholmißbrauchs stationär behandelten Jugendlichen sind männlich. 

Dem Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung zufoolge ist in den neuen Bundesländern zudem eine ganz neue Schicht von Männern entstanden: Die Totalverweigerer, die sich mit minimalen Bedürfnissen einrichten und am allgemeinen gesellschaftlichen Leben kaum noch teilnehmen….. „

 

Den folgenden  Passus fand ich sehr treffend auch auf unsere Szenerie in Vorpommern beschrieben:

„Das untere Ende findet man zum Beispiel im Rollbergviertel in Berlin-Neukölln. Dort lebt ungefähr jeder Zweite von Transferleistungen. Ein Viertel der Bewohner ist unter 18 Jahre als. Gilles Duhem, 46, ein Politologe und Volkswirt, rief hier vor zehn Jahren den Förderverein „Gemeinschaftshaus Morus 14“ ins Leben“

Er sagt folgendes:

Die größten Schwierigkeiten haben die Jungens. Warum?  Seine Theorie:

„Das Problem des 21. Jh. sind die ungebildeten Männer und Jungen – ob Einwanderer oder Deutsche, ins nicht entscheidend. Die ungelernten Männer sind überflüssig geworden, Armee, Fabrik, Gewerkschaft, Kirche – dort sind sie früher untergekommen und haben gelernt, sich im Griff zu haben. Aber die Orte der Disziplin fallen heute weg. Es gibt kein gesellschaftliches Korsett mehr. Für die Jungs ist das Problem, dass keiner sie erzieht.  Die Kinder wachsen praktisc h vaterlos auf, was für die Jungen fatal ist: In den arabischen und türkischen Familien gibt es einen Vater, aber der ist die ferne unanfechtbare Autorität. Bei den Deutschen haben die Frauen fünf Kinder von fünf Vätern, doch keiner von denen lässt sich mehr blicken.

Die Jungs kommen in die Schule und haben noch nie in ihrem Leben ein Bilderbuch angeguckt. Die haben keine Ahnung von nichts. Und dann sollen die plötzlich mit Streit zurechtkommen.  Gespräche führen, Konflikte besprechen, Gefühle benennen und kontrollieren, sich in unserer zivilisierten, feminisierten Welt zurechtfinden.

Sie werden fast ausschließlich von Frauen unterrichtet, von Frauen 50 plus. Wie soll das gehen? Die Jungs katapultieren sich schnell ins Aus: Aggressionen gegen  Lehrerinnen, erste kleine Delikte, das geht ganz schnell. Die Jungs haben hohe Ansprüche, die sie von den vorangegangenen Generationen geerbt haben – der Mann war schließlich immer der Boss. Jetzt müssen sie lernen, damit zurechtzukommen, das die Welt nicht so ist, wie sie das gern hätten. Dabei helfen wir ihnen in unserem Verein“