Demokratie als Lebensform und nicht nur als Regierungsform. Kinder an der Macht ...Heute lernen schon Fünfjährige wie Demokratie funktioniert. Das verändert die Gesellschaft. Wird die neue Generation so politisch wie keine zuvor?

Ein Artikel in der "Zeit" Nr 15 unter der Rubrik Chancen von Elisabeth Niejahr zeigt auf, dass Kinder sehr wohl an Politik interessiert sind. Während man früher glaubte, dass die Kindheit ein möglichst politik- uund idelogiefreier Raum sein sollte,zitiert die Autorin in dem Artikel Thomas Krüger vom Kinderhilfswerk "Kinder in Deutschland sind so politisch wie noch nie". Es könnte sein, dass Smartphones und soziale Medien dafür sorgen, dass Kinder mehr über Politik erfahren. So landen Nachrichten über Syrien und Terroranschläge in Sekundenschnelle auf deren Bildschirmen. Aber auch Kommunen haben erkannt, dass Kinder schon  mit bestimmen können. In Schleswig-Holstein hat die Landesregierung die Mitsprache der Kinder bei kommunalen Bauprojekten sogar vorgeschrieben und Bürgermeister gelten als innovativ, wenn sie einen Kinderrat gründen, meinte Krüger.  Da Kinder in Kitas heutzutage viel mehr Zeit in Gruppen verbringen, werden sie darin unterstützt gemeinsam Entscheidungen zu fällen und Kompromisse auszuhalten.

 

Nicht nur Schulklassen verfügen über Sprecher auch die Drei- bis Vierjährigen in  der Kita könnnen ihre Sprecher wählen. So hat Birgit Redlich als Kinder-Expertin am Göttinger Institut für Demokratieforschung erlebt, dass Kinder sehr wohl anonym ihre Sprecher wählen können, anhand von Fotos oder einzelnen Buchstaben auf Zetteln. Sie meinte, dass im offenen Stuhlkreis per Handzeichen doch immer nur die Lautesten sich durchsetzen würden.

Bringe man regelmäßig Schüler und Kommunalpolitiker zusammen, kommen wertvolle Tipps von den Schülern, die in konkrete Politik umgesetzt werden könnten, so die Autorin.  Auch junge Flüchtlinge könnten besser erklären, was aus ihrer Sicht in der Stadt besser laufen könnte und ihnen besonders an Deutschland aufgefallen sei. So fand die Autorin, dass der amerikanische Pädagoge und Philosoph John Dewey in den 20igern propagierte: Demokratie als Lebensform, nicht nur als Regierungsform. Wenn Schüler bereits lernen, ihre Rechte und Interessen gegenüber Lehrern zu vertreten, wären sie im Leben am ehesten in der Lage sich  gegen autoritäre Versuchungen und Bedrohungen zu wehren. Es gibt noch nicht viele Untrsuchungen über politische Einstellungen von Grundschülern, doch eine stammt aus dem Jahr 2007. Diese Studie zeige, dass auch Kinder, die weder lesen noch schreiben konnten, häufig genaue Vorstellungen von Politik hatten. Sie haben eine Idee davon, wie Wahlen funktionieren, kennen wichtige Politiker und (das wichtigste )  sie haben klare moralische Vorstellungen. Themen wie Gerechtigkeit, Umwelt- und Tierschutz sind ihnen besonders wichtig. In der Kindersendung "logo!" stellte die Moderatorin Linda Fuhrich  fest, dass Kinder über Geflüchtete und deren Alltag teilweise mehr wüssten, als ihre Eltern, weil sie ihnen in der Schule begegnen. Forscher hätten herausgefunden, wie wichtig das Fernsehen für die politische Bildung von Kindern sei. Sendungen wie "logo!", die oft gemeinsam mit den Eltern geschaut würden, würden noch vor den sozialen Medien rangieren.  Doch auch Politiker lassen sich beeinflussen, von den Themen, die die Kinder in "logo!" präsentieren.