Kommunikationsgegner- Kommunikationsabbruch - Was können Medien in der jetzigen Debattenkultur mit "Wort-Gewalt" anrichten und welche Mölichkeiten bietet da die Gewaltfreie Kommunikation

Unter https://www.zeit.de/kultur/2018-09/debattenkultur-journalismus-gewalt-metaphern-gefuehle vom .5.9.2018 

schreibt die Künstlerin und Aktivisten Susanne Heidrich

unter dem Motto „Empört Euch nicht!“

dass die Sprache der Journalisten nicht nur die (Gewalt)-Wirklichkeit abbildet, sondern sogar entwickelt und befördert und hält quasi ein Plädoyer für einen gewaltfreien Journalismus, sprich für Gewaltfreie Kommunikation in der Medienkultur. Für alle die bereits mit Gewaltfreier Kommunikation in Berührung gekommen sind, ist bekannt, dass gerade in Schritt 1. - der Beobachtung – keine Metaphern und Bilder benutzt werden sollten, da sonst das Gegenüber kategorisiert und und sich aufkommender Gefühle kaum noch erwehren kann.

Schritt 1. - Beobachtung wenden wir sachlich so an, dass wir nur schildern, was wir sehen und hören. Die Beispiele von Frau Heidrich sind sehr hilfreich, wenn sie auf diese „Wort-Gewalt“ folgender Begriffe in den deutschsprachigen Medien hinweist: "Flüchtlingswellen" die ein Land überrollen, (jeder denkt bei diesem Begriff sofort an hohe Wellen, die über uns herein brechen) bei "Völkerwanderung" (Bilder aus dem Geschichtsunterricht) "der kleine Stolz, den man noch vor Kurzem empfinden konnte, ein Europäer zu sein, (...) ist mit Tausenden Männern, Frauen und Kindern im Mittelmeer ertrunken" (Europa unter Wassermasssen begraben....) Dann verweist sie auf „Die Politik der CSU ist ein "Angriff auf Europa" (Waffentragende CSUler, die Europa bekämpfen wollen), macht auf strittige Diskussionen aufmerksam, die sich mit „Wort-Gewalt“ immer weiter hochschaukeln. "Chemnitz überall" oder „rechte Hetzjagd" oder "Medienhetze gegen Rechts". Wer möchte da nicht am liebsten gleich aufrüsten, wenn er die Schlagzeile liest "Bürgerkrieg in Sachsen" oder gar "Hexenkessel Deutschland".

So hat die Aktivistin und Künstlerin die Wirkung dieser „Schlag....wörter“ gut an sich selbst beobachtet, wenn sie beschreibt, wie sie sich nach ausgiebigem Medienkonsum fühlt: „Ich bin in panischer Aufruhr. Ein Zustand, der, wie man auch ohne Psychologiekenntnisse weiß, das Denken blockiert, die Gefühle reduziert, das Erinnerungsvermögen behindert, kurz: die vernunftgebundenen menschlichen Fähigkeiten einschränkt. Ein Zustand also, in dem man nicht unbedingt handeln und schon gar keine wichtigen Entscheidungen treffen sollte“. Und bezieht sich auf den „Linguist George Lakoff, der damals zur Berichterstattung ´über den Irakkrieg sagte: "Metaphern können töten“, einfach dadurch, dass sie uns beim Lesen in Angriffsstimmung versetzen.

Und da man meist reflexartig, wie ein Kleinkind nach einem Schuldigen sucht, die Gesprächskultur kaputt geht, sich die Fronten verhärten, und wie sie zu Recht aufzeigt, es „ nicht nur in der politischen Debatte, sondern auch im Journalismus kein Entkommen mehr vor dem sprachlichen Dauerexzess“ zu geben scheint, schlägt sie vor: „ Probieren wir es mit gewaltfreier Kommunikation (GFK). Sie wurde schon seit Langem in politischen Kontexten eingesetzt, etwa in Krisengesprächen zwischen Israel und Palästina. Dabei geht es um die Frage, wie Äußerungen – egal wie unlogisch, übergriffig, verkorkst oder brutal sie uns vorkommen mögen – sich so hören lassen, dass Mensch mit den dahinter liegenden Bedürfnissen des anderen in Kontakt kommt? Marshall B. Rosenbergs großes Stichwort ist Empathie. Für den Psychologen und Begründer der GFK ist letztlich auch eine Schlägerei nur eine (hilflose) Äußerung eines Bedürfnisses. Wie wir diese Situation einordnen, verarbeiten und beantworten, liegt in unserer Verantwortung. Um Gewalt nicht zu reproduzieren, empfiehlt Rosenberg, auf "lebensentfremdende" Kommunikation zu verzichten: keine moralischen Urteile, keine Vergleiche, kein Übertragen von Verantwortung auf andere. Rosenberg geht sogar noch weiter. Er empfiehlt, gänzlich auf Analysen von Handlungen zu verzichten: "Es ist meine Überzeugung, dass diese ganzen Analysen des Verhaltens anderer Menschen tragischer Ausdruck unserer eigenen Werte und Bedürfnisse sind."

(von mir fett gedruckt für die GFK-Kundigen)

und überlegt schließlich laut, wo man hinkommen würde, wenn man nicht mehr im Journalismus analysieren würde - „unsichere Gefilde“ ja, aber weg „von sprachliche Aufrüstung und strenger moralischer Verurteilung – da die gerade nicht sonderlich gut funktioniert“.

Sie empfiehlt im Journalismus (auch wenn er sich nicht jeglicher Bewertung enthalten kann) von der Gewaltfreien Kommunikation zu lernen. Indem man nach der klassischen Methode: „Beobachtungen, Gefühle und Bewertungen voneinander zu trennen und Urteile immer im Rückbezug auf eigene als solche ausgewiesene Werte zu fällen, die eben nicht als universal vorauszusetzen sind oder normativ gesetzt werden. Also beispielsweise auszuweisen, welches Bedürfnis der Rede von einem "Angriff" auf unsere Zivilisation, dem Bild der "Völkerwanderung" oder dem Vorwurf der "Inquisition" zugrunde liegt“ Und endet mit den Worten: „Empirische Untersuchungen zeigen, dass Beobachtungen, die mit einer Bewertung verknüpft sind, als Kritik gehört werden. Die wiederum blockiert – wie auch das Formulieren von Forderungen – die Einfühlsamkeit. Und ich glaube, dass es davon gerade besonders viel bräuchte. Ich korrigiere mich: Ich wünsche mir davon mehr“.

Vielen Dank Susanne Heidrich, denn mit Ihrer Überlegung, fällt es uns leichter, Medien Möglichkeiten der Berichterstattung aufzuzeigen.

 

Liebe Journalisten bittet wendet die Gewaltfreie Kommunikation an, damit helft ihr uns, in unseren tatäglichen Disputen und Diskussionen, mit Freunden, Nachbarn und Familie nicht auf diese „Schlagwörter“ und „Sprachen-Gewalt“ zurück zu greifen, die Mauern damit zu erhöhen, sondern mit Hilfe der GFK, uns wieder besser gegenseitig zu verstehen und aufeinander zuzugehen.

(Bitte von Ursula Heldt)