Pädagogische Maßnahmen gegen Mobbing

Aufgelistet sind hier einige praktische Vorgehensweisen, die von Fachleuten bereits erprobt und publiziert wurden.

Unsere eigene Vorgehensweise haben wir im Anhang ebenfalls erläutert. Auch unsere Vorgehensweise ist langjährig erprobt.  

Die Vorschläge bauen nicht aufeinander auf. Jede Lehrkraft kann versuchen, sie je nach den eigenen Bedingungen umzusetzen oder zu erweitern. 

Wichtig ist, dass die Methode, die Sie ausprobieren, Ihrer Persönlichkeit entspricht, mit dem Kollegium abgesprochen wird und möglichst Einzug  im gesamten Schulalltag findet. Seien Sie souverän aber auch konsequent, wenn Sie die ersten Mobbingfälle bearbeiten. Haben Sie die ersten Erfolgserlebnisse zu verbuchen, bekommen sie auch das Selbstvertrauen für die Zukunft, dass Ihre Methode dem gemobbten Kind helfen wird.  

Das wichtigste ist vor allem – leisten Sie bei Mobbing  „ERSTE  HILFE“.

Allein dadurch, dass Sie etwas Ernsthaftes besprechen wollen, was Sie auf keinen Fall mehr an Ihrer Schule wünschen, zeigt Schülern – hier wird dagegen angegangen – und  kann damit bereits die Dynamik verändern. 

Außerdem schlägt er für die Betroffenen im  Unterricht folgende Leitlinien vor:

  1. Mobbingopfer können sich nicht alleine helfen. Beobachten Sie Mobbing, erklären sie dem Schüler, dass es sich um Mobbing handelt und wie Mobbing abläuft. Erklären Sie dem Schüler, dass er in Ordnung ist. Zeigen Sie dem Schüler, und denen, die das auch nicht in Ordnung finden, mit Ihrem konsequentem Auftreten, dass Sie  dagegen angehen werden und dafür sorgen, dass es aufhört.

    Bitten Sie den Schüler um sein Vertrauen und Einverständnis, evtl. auch die Eltern und besprechen Sie die Sachlage mit anderen Lehrern.

  2. Unterstützen Sie das Opfer, sich an weitere Personen zu wenden, die helfen können - wie Vertrauenslehrer, Schulsozialarbeiter, Eltern, Geschwister, Freunde,  Beratungsstellen . Es muss viel über seine Situation und seine Gefühle reden können.

    Oftmals leiden die Opfer still vor sich hin und schämen sich. Es kann auch Kontakt im Internet mit anderen Betroffenen aufbauen und dadurch wieder Selbstbewusstsein gewinnen.

    Nehmen Sie sich ein wenig Zeit und überlegen Sie gemeinsam mit dem Schüler, welche Fähigkeiten ihn auszeichnen, was Sie an ihm schätzen und der Schüler an sich. Dies können Sie schriftlich mit ihm ausarbeiten. Ein Kind, das um seine Fähigkeiten weiß, hat viel mehr Selbstvertrauen auch schwierige Situationen durchzustehen.  

    Auch Übungen zu Körpersprache und selbstbewusstem Auftreten können in  Einzelstunden sehr viel bewirken. Wichtig ist nur, dass Wege aus der OPFER-Spirale gefunden werden.

  3. Ziehen Sie bei der Methode , für die Sie sich entscheiden, auch immer den oder die Mobbing-Täter heran, damit sich diese aktiv an einer Lösung beteiligen können.

  4. Ihre Schule sollte Projekte durchführen, die Mobbing und Gewalt zum Inhalt haben, damit das Schulklima verbessert wird und Jugendliche eine faire Konfliktkultur lernen können.

  5. Klassenregeln gegen Mobbing können schon im Vorfeld vieles im Keim ersticken.

  6. Der Klassenrat kann zusammenkommen. Dort können Mobbingfälle früh zur Sprache kommen. Im Klassenrat lernen die Schüler ein ritualisiertes Klassengespräch.

    Günstig ist es hierfür einen Stuhlkreis aufzubauen, das lässt Emotionen eher zu mit folgender Einleitung „wir wollen heute besprechen, was Euch in der Klasse unter den Nägeln brennt“. Sie geben einen Ball, Stift oder kleinen bunten Stein herum. Es spricht nur der, der den Gegenstand in der Hand hat. Wüste Beschimpfungen werden von Ihrer Seite nicht zugelassen – Sie moderieren - oder der Klassensprecher/Konfliktvermittler.

    Wichtig ist hierbei, dass sich alle im Kreis äußern, damit nicht wieder nur die Vielredner zu Wort kommen. Oftmals bringen die  bisher passiven Beobachter  Mobbing zur Sprache.  Gemeinsam mit den Schülern schauen Sie nach Prioritäten – welcher Fall soll zuerst besprochen werden.

  7. Scheuen sie sich nicht, in schweren Fällen Hilfe von außen zu holen. Sie können den Schulpsychologen um Hilfe bitten, das zuständige Jugendamt,  genauso wie die Präventionsbeauftragten der Polizei. Entsprechende Rufnummern hat das Schulsekretariat. Auch diese Personen können beim Klassenrat zugegen sein.

  8. Konfliktvermittler sind meist auch in Mobbingbearbeitung geschult. Trotzdem sollten sie die Verantwortung nicht auf die Jugendlichen allein abwälzen. Ist ein Konflikt zu sehr in einer Klasse verfestigt, fühlen sich Konfliktvermittler durch die entsprechende Gruppendynamik überfordert und können dies auch nicht in ihren Gesprächen bereinigen. Manche Vorgänge sind ja selbst für Erwachsene kaum zu durchschauen. Doch zu Besprechungen können auch diese Jugendlichen herangezogen werden, damit ein gemeinsames konsequentes aber auch sensibles Einschreiten möglich ist. 

    Sollten Konfliktvermittler Sie als Pädagoge auf einen Mobbingfall aufmerksam machen,

    bieten Sie Ihre Mithilfe und ganze Unterstützung bei einer Klärung an.

  9. Haben Sie Schulsozialarbeiter oder Vertrauenslehrer in Ihrer Schule, ziehen Sie diese zu Rate. Manchmal können diese Partner in ein bis zwei vertraulichen Gesprächen unter Ausschluss der gesamten Klasse mit den Mobbern und dem Opfer eine Konfliktklärung herbeiführen.

  10. Methoden Dan Olweus aus „Gewalt in der Schule“ wirken auf drei Ebenen:

    Schulebene

    • Fragebogenerhebung
    • Verbesserte Pausenaufsicht
    • Attraktivere Spielflächen in der Schule
    • Kontakttelefon/Kummerkasten/Schulsozialarbeiter
    • Treffen von Eltern und Lehrern
    • Lehrergruppen in AG zur Entwicklung eines guten Schulklimas

    Klassenebene

    • Klassenregeln gegen Gewalt
    • Loben und nichtfeindliche Sanktionen
    • Rollenspiele, Literatur
    • gemeinsame Klassenaktivitäten
    • kooperatives Lernen

    Schülerebene

    • Zusammenarbeit der Eltern und Lehrer
    • ernsthafte Gespräche mit Tätern und Opfern und deren Eltern
    • Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter  und Eltern gebrauchen ihre Phantasie
    • Hilfe von neutralen Schülern (Konfliktvermittlern)
    • Hilfe und Unterstützung für und von Eltern
    • Klassen- und Schulwechsel
  11. Methoden aus dem Buch „Schülermobbing – tun wir was dagegen“ von Horst Kasper  

    Smob-Fragebogen

    Smob-Auswertungsbogen für Lehrer 

    Auf Schul- und Klassenebene hat Horst Kasper ähnliche Möglichkeiten der Intervention und Prävention wie Olweus. 

    Auf der Individualebene-Schülerebene finden sich zusätzlich interessante Methoden, die wir im Anhang vorstellen:

    • No Blame Approach
    • Farsta-Methode
    • Täter-Opfer-Ausgleich
    • O- und T-Partner

    Außerdem schlägt er für die Betroffenen im Unterricht folgende Leitlinien vor:

    • Stärkung und Ermutigung, individuelle Förderung (Opfer)
    • Anerkennung individueller Besonderheiten und Begabungen (für alle Schüler)

Quellen:

„Gewalt in der Schule“ von Dan Olweus 1996

„Schülermobbing – tun wir was dagegen!“ von Horst Kasper AOL-Verlag 2006