Rollenspiel 3

A. Die Rolle von Achmet

Achmet ist, so lange er denken kann, ein Außenseiter gewesen. Schon im Kindergarten hatte er ein anderes Verhalten als die anderen Kinder gehabt. Er fällt immer irgendwie auf und wird von den meisten gemieden. Zu gerne möchte er auch einmal in der Pause inmitten der anderen stehen und sich ganz locker mit ihnen unterhalten. In seiner Familie werden sehr streng die türkischen Traditionen gepflegt. Eigentlich ist er froh, wenn er aus der starren und strengen Familienatmosphäre herauskommt und beobachten kann, wie ungezwungen sich die Mädchen und Jungen unterhalten. Nachmittags trifft er sich meist mit seiner türkischen Clique, doch in der Schule leidet er unendliche Qualen, wenn er mit seinen deutschen Kameraden nicht ins Gespräch kommt. Dass dies nicht an seiner Sprachschwierigkeit liegen kann, hat er schon registriert. Jungens aus anderen Ländern, mit ähnlichen Sprachschwierigkeiten, waren schon längst in ihren Klassen integriert. Doch durch ihn sieht man hindurch, als wäre er Luft. Nun hat er sich vorgenommen, die Jugendlichen, die er besonders schätzt, längere Zeit anzuschauen, damit sie ihn endlich wahrnehmen und ansprechen. Besonders Boris schätzt er sehr.

B. Die Rolle von Boris

Boris ist einer der Kräftigsten in der Klasse. Er hat es allein durch seine kräftige Statur geschafft, sich bei allen Respekt zu verschaffen. Selbst die hübschesten Mädchen stehen immer um ihn herum. Eigentlich besitzt er sehr viel Selbstvertrauen. Er hat nur eine kleine Schwäche, die er möglichst vor den anderen verbergen will. Er kann nicht vor einer großen Gruppe sprechen. Dann wird er rot im Gesicht und sein Hals ist wie zugeschnürt. Er kann es auch nicht haben, wenn er angestarrt wird, wie z.B. in der Straßenbahn oder in einem Fahrstuhl. Dann steigt er lieber einige Stationen früher aus, um dieser Pein zu entkommen. Boris hat nichts gegen Ausländer. Er hat schon Freundschaften mit ihnen gepflegt. Doch mit Achmet wird er nicht warm. Der ist so ganz anders als alle anderen Jugendlichen. Irgendwie benimmt der sich so linkisch. Alle distanzieren sich von ihm, weil das peinlich wirkt. Auch Boris. Als nun ausgerechnet Achmet ihn seit einigen Tagen während des Unterrichts anstarrt, wird ihm das unheimlich. Er kommt fast in Panik, wagt dies aber keinem zu erzählen. Statt dessen hetzt er in der Pause den Rest der Klasse auf: "Den Achmet müssen wir uns mal vorknöpfen, der hat irgendein krummes Ding mit mir vor." Die Jugendlichen stimmten begeistert zu, da sie Achmet nicht mögen. Sie passen ihn nach der Schule in einer Ecke ab. Er wird von Boris zusammengeschlagen, als er keine Antwort auf die Frage gibt, warum er ihn so anstarren würde. Alle anderen Schüler laufen auseinander, keiner hilft Achmet. Als er dies am nächsten Tag meldet, hat keiner der Schüler etwas gesehen. Alle leugnen die Tat. Boris erst recht.