Rollenspiele für die Mediation

Nachdem nun alle Arbeitsschritte der Konfliktvermittlung erläutert wurden, sollte in Rollenspielen die Konfliktvermittlung von Anfang bis Ende erprobt werden.

Wir haben dafür oftmals mehrere kleine Gruppen zu fünf Personen gebildet, die sich auf verschiedene Räume aufteilten, damit nicht ein Rollenspiel vor allen auszubildenden Konfliktvermittlern durchgeführt werden musste. Hierfür lohnt es sich eine Videokamera für die Auswertungsgespräche einzusetzen.

Für Trainer ist es enorm wichtig, hier nicht massiv Fehler zu korrigieren, sondern nur wenn es von den Teilnehmenden gewünscht wird, ein positives Feedback zu geben. Sollten Trainer um Rat gefragt werden, sollten sie sich ganz deutlich und mit wenigen Worten äußern. Rollenspiele mit Konfliktvermittlung können bei den einzelnen Teilnehmern  enorm das Selbstvertrauen und ihre Kritikfähigkeit stärken. Manchmal die Schüler eigene Kollektive für das Rollenspiel an. Da sie teilweise selber darin involviert sind oder waren, sind diese Rollenspiele mit vielen Gefühlen verhaftet und sollten äußerst behutsam ausgewertet werden. Gerade die Schüchternen dürfen auf keinen Fall entmutigt, sondern sollten mit viel Lob aufgebaut werden. Bevor die einzelnen Gruppen sich zu ihrem eigenen Rollenspiel zurückgezogen hatten, haben wir als Trainer ein Rollenspiel mit Konfliktvermittlung vorgespielt.

Für die Rollenspiele sollten sich die Teilnehmer je nach ihren Neigungen entscheiden. Die Streitenden bekommen jeder für sich eine ausgeschriebene Rollenbeschreibung, die sie nur für sich allein in getrennten Ecken einstudieren und sich auf die Argumente vorbereiten. Wichtig ist es, dass die Streitenden sich beim Einüben noch nicht über ihre Rollen austauschen können. Jeder sollte sich auf die Gefühlslage, den Hintergrund einer Streitpartei, sowie deren Persönlichkeit und Lebensumstände hineinfühlen. Die Konfliktvermittler bekommen keine Rollenbeschreibung. Sie nutzen die "Information, die sie erlernt haben" und nehmen z.B. ihre Regeln der "gewaltfreien Kommunikation" dazu, sowie das Vertragsformular. Sie bauen in ihrem Zimmer, wo die Konfliktvermittlung stattfinden soll, einen Tisch in die Mitte des Raumes, stellen die entsprechenden Stühle einander gegenüber. Für den Beobachter stellen sie den Stuhl mehr im Hintergrund auf, da er sich aus dem Rollenspiel heraushält und die Spielenden nicht befangen machen sollte. Ist der Tisch mit einer Blume und der entsprechenden Sitzordnung hergerichtet, fängt das Rollenspiel damit an, dass die Konfliktvermittler die Streitparteien und den Beobachter an der Tür begrüßen und ihnen die Plätze zuweisen.

Da immer zwei Konfliktvermittler an einer Mediation in den Schulen beteiligt sind, (damit sie es hinterher gemeinsam auswerten können) geben wir den Tipp, dass die Konfliktvermittler "über Kreuz" mediieren und dies immer abwechselnd. Ein Konfliktvermittler fragt nicht die ihm direkt gegenübersitzende Person nach dem Sachverhalt und den Gefühlen, sondern die schräg gegenüber sitzende Person. Auf diese Weise werden Blöcke vermieden.

Der Beobachter macht sich Notizen zur Konfliktvermittlung und achtet auf die Zeiteinhaltung. Wir geben für die ersten Rollenspiele eine Zeit von 10 Minuten.

Die Auswertungsgespräche - auch Feedback genannt - werden vom Beobachter in dieser Kleingruppe angeleitet. Beobachter achten darauf, dass die Spielenden nur über ihre Rolle und nicht über sich selbst sprechen. Wir gehen als Trainer ebenfalls zu den einzelnen Auswertungsgesprächen und fragen jede spielende Person, wie sie sich in ihrer jeweiligen Rolle gefühlt hat, ob sie mit dem Verlauf des Gesprächs zufrieden war oder ob sie noch etwas gebraucht hätte.

In diesem Feedback ist es wichtig, dass alle Spielbeteiligten das Gefühl bekommen, dass sie im Rollenspiel nicht richtig oder falsch handeln können, dass sie sich nicht um Bestätigung bemühen müssen oder eine Abwertung bekommen. Es werden auf keinen Fall Worte benutzt, wie niemals, keine oder nicht. Das Feedback sollte folgendermaßen formuliert werden: "Ich finde, du bist schlank" und nicht "Ich halte dich nicht für dick". "Ich finde, das hast du geschickt gelöst" und nicht "Du hättest nicht so raffiniert vorgehen dürfen". "Du darfst niemals solche Worte benutzen" sondern "ich würde an Deiner Stelle es ... formulieren".

Als erstes sprechen die Streitparteien, wie es ihnen mit ihrer Rolle ergangen ist.
Dann die Konfliktvermittler und zum Schluss die Beobachter. Hat sich die Aufregung und die erste Anspannung nach dem Spiel gelegt, wird weiter gefragt,

  • welche Verhaltensweisen der Konfliktvermittler waren für Euch hilfreich?
  • welche Verhaltensweisen der Konfliktvermittler waren nicht so hilfreich?
  • was hättet Ihr von den Konfliktvermittlern noch gebraucht?

Eine weitere Auswertung wird dann noch einmal mit allen im großen Plenum gemacht, um so zusammenzutragen, welche Verhaltensweisen der Konfliktvermittler für die Streitenden hilfreich waren.

Folgende Rollenspiele sind möglich: