Schule ohne Sozialarbeit geht nicht mehr

Sozialarbeiter kümmern sich an Schulen um Drogenprobleme, aber auch um Mobbingfälle. Jetzt ist kein Geld mehr für sie da.

Artikel in „DER ZEIT“ N. 12 v. 13. 3. 2014, ( S. 76 )  von Arnfrid Schenk

Der Schulleiter Elmar Schebaum der Hauptschule in Aplerbeck kann und will nicht mehr auf seine Schulsozialarbeiterin Ursula Kraft verzichten. Er hat mal eine Liste ihrer Aufgaben erstellt und kam auf vier  DIN-A4 Seiten. Dazu gehören Elterngespräche, Unterstützung bei Mobbingfällen, Hausbesuche, Zusammenarbeit mit dem Jugendamt, Essensbestellung, Suchtpräbention… Alles Aufgaben, die Lehrer nicht erfüllen können.  Ursula Kraft wird aus dem Bildungs- und Teilhabepaket bezahlt. 400 Mill. Euro jährlich haben Länder und Kommunen erhalten, damit Familien mit geringem Einkommen unterstützt werden können. Davon konnten Schulleiter nicht nur im Raum Dortmund Sozialarbeiter einstellen. Die Finanzierung ist im Januar ausgelaufen. In Nordrhein-Westfalen stehen 1500 Stellen auf der Kippe. Die Autorin des Artikels lässt sich von Frau Kraft erzählen, wie ihr Alltag aussieht. Selbst nach der Schule wird sie auf dem Heimweg von Schülern abgefangen, die einfach mal jemanden brauchen, de „nur zuhört“. „Zu ihr kommen Schüler, die von Klassenkameraden im Internet beschimpft werden und andere, die sich täglich zu Hause mit ihren Eltern anschreien. Derzeit ist sie vor allem damit beschäftigt, eine Ausreißerin zu überreden, nach Hause zurückzukehren und wieder in die Schule zu gehen. Die Sozialarbeiterin ist die Einzige, mit der die Schülerin reden will. Feierabend hat Ursula Kraft erst, wenn sie zu Hause die Tür hinter sich zugemacht hat“.

Nun versuchen viele, den Bund zu einer Weiterfinanzierung zu überreden. Es hat sich sogar eine Landesarbeitsgemeinschaft Schulsozialarbeit  in Nordrhein-Westfalen gegründet, die in einer Petition die Bundeskanzlerin und ihre Koalitionspartner auffordert, Sozialarbeiter weiter zu finanzieren.

Die Schüler haben ebenfalls Briefe an die Politiker geschrieben. „Wir brauchen sie dringend“, sagen die Schüler. Sie kümmern sich um Streitschlichtung, sie helfen Eltern, die finanzielle Probleme haben“. Eine Schülerin sagte, sie könne sich  den Schulalltag ohne Frau Kraft nicht mehr vorstellen. Ohne sie wären die Lehrer aufgeschmissen.  Sie sagt auch, „Schule ohne Sozialarbeit geht nicht mehr“.

Wenn man sich mal genauer damit beschäftigt und Lehrer befragt, wieso eigentlich Schule nicht mehr ohne Schulsoziarbeit funktioniere, werden in dem Artikel durch Lehrkräfte folgendes erklärt:

In den Familien werden grundlegende Regeln für eine gelingende Gemeinschaft nicht mehr vermittelt. Kinder werden vernachlässigt. Die häusliche Gewalt nimmt zu. Das würde alles in die Schule überschwappen. Kinder wüssten nicht  mehr, wie man sich richtig benimmt. Die Lehrer schaffen es nicht, sich auch noch um all das zu kümmern.

Ursula Kraft sagt in dem Artikel „ Wir Sozialarbeiter sind immer die Feuerwehr, aber eigentlich sollten wir viel früher eingreifen, bevor es brennt. Die Zeit für Prävention ist aber nicht da. Dafür wäre jedoch noch eine weitere Stelle notwendig.

In Dortmund gab es nun einen finanziellen Aufschub. Die Stadt übernimmt für Ursula Kraft die Finanzierung für ein weiteres Jahr. Längerfristig kann sie nicht planen.