Wie eng Körperhaltung und Emotion zusammenhängen und wie man diese verändern kann

Eine Ergänzung und Erweiterung zum Artikel v. 8.11. zu Mimik, diesmal wie Haltung und Gangart unser Gemüt beeeinflussen (interessant nicht nur für Betreuer von Mobbing-Opferrn)

diesmal aus Zeit Nr. 45 S. 39 von Harro Albrecht

In der Körperhaltung drückt sich der emotionale Zustand des Menschen aus.

Was denken Sie, wenn ein Mensch mit schlurfendem Gang, leicht nach vorne gebeugtn an Ihnen vorbei geht?

Meist denken wir:

„Wahrscheinlich geht es diesem Menschen nicht gut, evtl. ist er sogar nierdergeschlagen“.

Viele wissen, dass Sport gegen Depresionen wirkt. Ist es die reine körperliche Aktivität, der Stolz auf die Leistung oder die straffere Körperhaltung?

Johannes Michalak von der kanadischen Queens University beschäftigt sich schon lange mit dem Thema. Seine Kollegen und er luden 47 Studenten ins Bewegungslabor auf Laufbänder. Dort waren Kameras auf diese gerichtet. Sie wurden angehalten mal fröhlich und beschwingt zu gehen und dann mal wieder depressiv. Ihnen wurde Gefühlsbegriffe genannt, wie mutig, freundlich,ängstlich, still, fröhlich etc., die sie sich merken sollten. Tatsächlich merkten sich beim nachfolgenden Gedächtnistest die Personen mit der beschwingten Gangart mehr angenehme Gefühle und die mit der gebeugten Gangart mehr negative Wörter.

Daraus schlossen die Forscher, dass eine veränderte Körperhaltung tendenziell entweder mehr positive oder negative Informationen verarbeiten lässt.

Gerade aktuell wies der Forscher Michalak z.B. nach, dass aufrechtes, gerades Sitzen Depressionen lindern könnte, dagegen Kauen dazu führen würde, sich eher negative Sätze zu merken.

Folgende Erklärung wird angeboten: Es gibt eine enge Verzahnung von körperlicher und psychischer Reizverarbeitung. Depressives Denken manifestiert siich in verschiedenen Systemen des Gehirns – und zwar dem sprachlichen Inforamtionszentrum, dem Speicher für Bildeindrücke und den Verbindungen zwischen Körperzuständen und Emotionen. Michalak stellt fest, wenn nur ein Teil des inneren Netzwerks aktiviert wird, verbreitet sich die Aktivierung auf die anderen Knoten. Logischer Rückschluss seinerseits:

Wenn sich dieses zusammenhängende System aus unterschiedlichen Richtungen angreifen und verändern lässt, wenn man also jemanden in eine negative Stimmung bringt und er sich dann anders bewegt, muss es auch ungekehrt funktionieren – ergo -

Man lasse jemanden anders bewegen und er kommt dann auch in eine andere Stimmung, noch genauer: man lasse ihn beschwingt laufen und er wird fröhlich. Man fordert ihn auf, sich aufrecht zu setzen und er wird selbstbewusster und mutiger dem Leben gegenüber.

(Anmerkung von mir: auf ähnliche Zusammenhänge hab ich in meinen Büchern zu Schulmobbing ebenfalls hingewiesen, besonders in der Arbeit mit Mobbing-Opfern . Zu finden in den Anleitungen zur selbstbewussten Ich-Botschaft, die mit dem Opfer eingeübt werden und dabei ein besonderer Focus auf Mimik und Körpersprache gelegt werden sollte)

Michalak und auch ich weisen darauf hin, dass dies sensibel geschehen muss und nicht autoritär verlangt werden kann nach dem Motto „sitz endlich gerade“.

Manchmal sollte man auch nicht gegen negative Emotionen ankämpfen, da ist es sinnvoll eine Haltung entsprechend der aktuellen Stimmung einzunehmen, man denke nur an einen Trauerfall.

Kognitionswissenschaftler untersuchen in letzter Zeit verrmehrt die Interaktion von Körper und Psyche nach dem Motto „Ohne Körper kein Bewusstsein“ . Körperorientierte Therapeuten erhalten so für ihr „Embodiment“ ein wissenschaftliches Fundament. Der Stellenwert für die Zukunft heißt jedoch nicht Stimmungskontrolle und Kampf gegen negative Emotionen, denn die müssen genauso ihren Platz in unserem Leben haben. Es geht mehr um Achtsamkeit, um die Auswirkungen der eigenen Körperhaltung zu spüren und damit aus eventuellen stereotypen Bewegungsmustern auszusteigen.